Daten vor Linux-Installation sichern

Christian Seiler

Im Rahmen der Linux-Installationspartys, bei denen Windows-Installationen durch Linux ersetzt werden, werden alle Daten, die auf der Festplatte hinterlegt sind, gelöscht. Damit persönliche Daten erhalten bleiben, sollten diese vorher extern gesichert werden.

Diese Anleitung gibt Tipps, welche Teile von der Windows-Installation man sich ansehen sollte, damit man auch alle Daten erwischt. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, letztendlich ist jede(r) Nutzer:in selbst verantwortlich für die eigenen Daten.

Wenn man sich überlegt, ob man etwas sichern sollte, oder nicht, solltem an sich im Zweifel dafür entscheiden, zu sichern - die Daten kann man hinterher immer noch löschen, aber wenn man etwas vergessen hat, zu sichern, dann sind diese Daten hinterher verloren.

Sicherungsmedium

Als Ziel der Datensicherung sollte eine externe USB-Festplatte oder externe USB-SSD verwendet werden, oder ein Netzwerkspeicher (NAS). USB-Sticks sind nicht für Backups geeignet!

Sicherung der Benutzerdaten

Es gibt mehrere Arten von Daten, die man sichern möchte: Dokumente, die man selbst abgelegt hat, sowie Daten von Programmen, die diese automatisch abgelegt haben.

Eigene Dokumente

Öffnet man ein Explorer-Fenster, so sieht man oft eine Übersicht über die wichtigsten Verzeichnisse für die eigenen Dokumente:

Ein Screenshot vom Windows Datei-Explorer direkt nach dem Start, auf dem die besonderen Verzeichnisse Dokumente, Bilder, Musik, Desktop, Downloads, sowie eine weitere interne Festplatte oder Partition E:\ markiert sind

Im gezeigten Screenshot sind die folgenden Verzeichnisse markiert:

An all diesn Orten können Dateien hinterlegt sein, die man als Benutzer:in selbst dort abelegt hat - diese sollten gesichert werden.

Daten, die von Programmen abgelegt werden

Manche Programme legen automatisch Daten auf dem Computer ab, bei denen man als Benutzer:in nicht selbst den Speicherort auswählt. Leider ist der Ordner, in dem dies geschieht, im Normalfall nicht im Explorer sichtbar. Um dorthin zu kommen sollte man auf eine freie Fläche in der Adressleiste des Explorers klicken, und im Texteingabefeld dann %APPDATA% eingeben:

Ein Screenshot vom Windows Datei-Explorer, bei dem in die Adressleiste %APPDATA% eingegeben wurde

Drückt man nun die Enter-Taste, so wechselt der Explorer in das %APPDATA%-Verzeichnis. Dieses liegt typischerweise (aber nicht immer) unter C:\Users\BENUTZERNAME\AppData\Roaming.

Ein Screenshot vom Windows Datei-Explorer, nachdem dieser zu dem %APPDATA%-Ordner navigiert hat

Von dort kann man nun eine Ebene höher wechseln, um aus dem AppData\Roaming-Verzeichnis in das generelle AppData-Verzeichnis zu wechseln:

Ein Screenshot vom Windows Datei-Explorer, nachdem der/die Benutzer:in einen Ordner über dem %APPDATA%-Ordner navigiert hat

Hier bietet sich nun an, die Verzeichnisse Local, LocalLow und Roaming zu sichern. Diese enthalten Daten, die von Programmen ohne explizite Auswahl durch Benutzer:innen abgelegt werden.

Registry Sichern

Es bietet sich an, die sogenannte Windows-Registry noch mitzusichern. Dazu sollte man das Startmenü ausklappen und dann (ohne im Startmenü etwas auszuwählen) einfach zu tippen anfangen. Mit Hilfe des Namens regedit bietet Windows an, den Registrierungseditor zu starten:

Ein Screenshot vom Windows Startmenü, bei dem in die Suchfunktion bereits der Begriff regedit eingegeben wurde

Startet man so den Registrierungseditor, so wird als erstes von Windows gefragt, ob man Administratorrechte nutzen möchte. Dies ist für den Registrierungseditor notwendig, daher sollte man diese Abfrage bejahen:

Ein Screenshot vom Bestätigungsfenster, ob man den Registrierungseditor als Administrator ausführen möchte

Sobald der Registrierungseditor gestartet ist, sollte ein neues Fenster erscheinen:

Ein Screenshot vom Registrierungseditor frisch nach dem ersten Start

Dort sieht man links eine Art Ordnerstruktur. Es sollte mindestens 2 "Hauptordner" geben, HKEY_CURRENT_USER und HKEY_LOCAL_MACHINE. In der Registry heißen diese Ordner "Schlüssel". Um die Registry zu sichern sollte man mit der rechten Maustaste auf den Schlüssel HKEY_CURRENT_USER klicken, und dort im erscheinenden Menü die Option Exportieren auswählen:

Ein Screenshot vom Registrierungseditor, nachdem das Kontextmenü des Schlüssels HKEY_CURRENT_USER aufgeklappt wurde, und dort die Option Exportieren ausgewählt wurde

Klickt man auf diese Option, so kann man nun einen Dateinamen eingeben, unter dem man die Sicherungskopie des Schlüssels ablegen kann.

Ein Screenshot von der Dateiauswahl, bei der man angeben kann, wo man die Sicherung der Registry ablegen will

Diese Datei sollte natüerlich auch mit gesichert werrden und nicht lediglich lokal abgelegt werden. Das Speichern der Registry kann eine Weile dauern; in dieser Zeit reagiert der Registrierungseditor nicht, dies ist normal.

Nun kann man das gleiche wiederholen für den Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE:

Ein Screenshot vom Registrierungseditor, nachdem das Kontextmenü des Schlüssels HKEY_LOCAL_MACHINE aufgeklappt wurde, und dort die Option Exportieren ausgewählt wurde

Ein Screenshot von der Dateiauswahl, bei der man angeben kann, wo man die Sicherung der Registry ablegen will

Auch hier sollte man die so erstellte Datei mitsichern.

Sonstiges

Es gibt noch einige weitere Dinge, die man sich ansehen möchte:

Multiple Benutzerkonten

Wenn multiple Benutzerkonten existieren, so müssen die obigen Schritte für alle Konten wiederholt werden, mit Ausnahme des HKEY_LOCAL_MACHINE-Schlüssels der Registry, der für das gesamte Betriebsystem nur einmal gesichert werden muss. (Jeder nutzer hat jedoch einen anderen HKEY_CURRENT_USER-Schlüssel.)